"Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens"
Dies was das Schwerpunktthema der EKD-Synode 2019.

Dem ging ein zweijähriger Diskussions- und Konsultationsprozess voraus, in dem danach gefragt wurde: Was kann die Kirche zum Frieden in der Welt beitragen? Wie friedvoll ist die Kirche selbst?

In der von der EKD-Synode beschlossenen Kundgebung wird die Bedeutung der Klimagerechtigkeit für den Frieden in der Welt in den Vordergrund gestellt. Die Kundgebung hält an dem Grundsatz der christlichen Friedensethik fest, zivilen und gewaltfreien Mitteln der Konfliktlösung den Vorrang zu geben vor militärischen Lösungen. Auch fordert die Synode die Bundesregierung auf, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben und die Klimaschutzziele aus dem Pariser Abkommen umzusetzen. Friedensbemühungen auf europäischer Ebene sollen stärker unterstützt werden. Zudem verweist die Kundgebung auch auf die Verpflichtung zum eigenen Friedenshandeln der Kirchen.

Hier der vollständige Text der Kundgebung "Kirche auf dem Weg der Gerechtigkeit und des Friedens"

 


Im Folgenden ein Auszug eines Kommentars zum einführenden Teil der Kundgebung von
Lutz Krügener (Referent für Friedensarbeit, Landeskirche Hannover) und
Pfarrer i.R. Eberhard Bürger (Versöhnungsbund, Magdeburg):

"Als Christinnen und Christen, die sich im Gottesdienst und im Gebet in den Frieden Gottes stellen, haben wir Anteil an der Friedensbewegung Gottes in diese Welt hinein. Sie bildet den Ausgangspunkt und den Kern der Friedenstheologie und -ethik, die wir als christliche Kirchen in das Ringen um den Frieden in der Welt einbringen."

LK: Frieden ist einerseits Querschnittsaufgabe mit Impulsen für Gemeinden, Einrichtungen und nach "außen", andererseits braucht Frieden Spezialisten (Friedensbeauftragte), um eine qualifizierte Friedensarbeit zu leisten.

EB: Der Hausener Friedenskreis der EKM weist darauf hin, dass im Bereich der EKD eine Friedenstheologie außer der Martin Luthers nicht existiert und doch dringend erforderlich ist.

"Der Friede Gottes ist umfassend; unsere Umsetzungen sind partikular. Gottes Frieden umfasst ein Leben in Würde, den Schutz vor Gewalt, die Bewahrung unserer Lebensgrundlagen, den Abbau von Ungerechtigkeit und Not, die Stärkung von Recht, Freiheit und kultureller Vielfalt."

LK: Von einem umfassenden Friedensbegriff aus (biblischer Schalom; gerechter Frieden) ist eine stärkere Zusammenschau von Gerechtigkeit - Frieden - Bewahrung der Schöpfung nötig, beispielsweise durch die Zusammenarbeit verschiedener Bereiche und Abteilungen (Umweltarbeit - Frieden…). Das Thema Klima und Militär muss neu in den Fokus rücken.

EB: Zwischen Selbstüberschätzung, Gleichgültigkeit und Ohnmacht suchen wir zusammen mit anderen (Dialoge!) unsere spezifischen Möglichkeiten, aufgrund unseres Weges in der Nachfolge Jesu, unseren Begabungen und Kräften sowie der jeweiligen Situation unsere Teil- Macht, die wir jetzt und hier einbringen können ("Umsetzungen").

Der Friede Gottes umfasst gewiss weitaus mehr als hier beschrieben: "Der Friede Gottes, der höher ist als unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne bei Jesus Christus…"

"Diese Differenz wehrt jeder Sakralisierung politischer Positionen, auch unserer eigenen. Sie begrenzt unsere menschlichen Auseinandersetzungen heilsam. Sie fördert nüchterne Unterscheidungen und ermöglicht Selbstkritik und Gelassenheit."

LK: Wir wissen um die eigene Begrenzung, dies hilft der Abwehr jeglichen Fundamentalismus und ermöglicht das Eingeständnis eigener Fehler. Gerechter Friede ist immer ein Prozess.

EB: Dietrich Bonhoeffer beschreibt in seinem Taufbrief von 1944 aus dem Gefängnis, wie er Christsein in Zukunft versteht: "Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen." Dieses Zitat ist weithin bekannt und beschreibt das Leben von Christen als ein ausgesprochen aktives.

Weniger bekannt ist die folgende Ergänzung, die gerade für mich als älteren Menschen, der auch das Loslassen und in die 2.-Reihe-Treten neu lernen muss. Dietrich Bonhoeffer fügt die Ergänzung im selben Taufbrief nur wenige Zeilen später ein: " … es wird Menschen geben, die beten und das Gerechte tun und auf Gottes Zeit warten." Waren ihm selbst doch im Gefängnis "alle Hände gebunden", so gehört auch das aktive Warten, Hoffen mit zum Friedenshandeln.

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Den vollständigen Kommentar finden Sie hier.


 

 Ansprechpartner

Jens Lattke
Leitung des Lothar-Kreyssig-Ökumenezentrums und Landeskirchlich Beauftragter für Friedensarbeit

Fon 0391 - 53 46 399
jens.lattke@ekmd.de

 

Post:
Lothar-Kreyssig – Ökumenezentrum
der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland
Am Dom 2, 39104 Magdeburg

 

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