04.02.2026
Jahresbericht 2025

Die Nahosthilfe der EKM steht auch im Jahr 2025 an der Seite ihrer Partner in einer Region, die von politischen Umbrüchen, wirtschaftlicher Not und humanitären Herausforderungen geprägt ist. Trotz begrenzter Ressourcen leisten wir gemeinsam einen Beitrag zu Hoffnung, Stabilisierung und würdevoller Unterstützung von Menschen, deren Lebensumstände sich oftmals dramatisch verschlechtert haben. Der vorliegende Bericht dokumentiert die Vielfalt unserer Arbeit, die Treue unserer Partner und den Mut vieler Menschen vor Ort. Er soll zugleich Rechenschaft, Einblick und Dank sein.

1. CAPNI / Christian Aid Program Northern-Iraq

Im Februar 2025 konnte ich gemeinsam mit deutschen und internationalen Partnern an der jährlichen CAP-Konsultation in Duhok (Nordirak) teilnehmen. Bereits 2024 mussten mehrere Projekte in irakisch kontrollierten Gebieten aufgegeben oder gestoppt werden. Betroffen war auch das über mehrere Jahre durch die EKM kofinanzierte „Soziokulturelle Zentrum“ in Bartella, einer ehemals christlichen Vorstadt von Mossul in der Ninive-Ebene. Da mich interessierte, ob dieses Projekt auch ohne CAP weitergeführt wird, besuchte ich im Anschluss an die Partnerkonsultation gemeinsam mit CAP-Mitarbeitenden Bartella und das Projekt selbst. Erfreuliches Ergebnis: Die Maßnahme wurde vollständig an die syrisch-orthodoxe Kirche vor Ort übergeben und wird weiter betrieben.

1.1 Schrumpfender Handlungsspielraum und drastische Finanzkürzungen

Die Arbeit von CAP konzentriert sich gegenwärtig auf die Autonome Region Kurdistan. Die internationale Aufmerksamkeit für den Irak ist deutlich zurückgegangen. Die Zeiten großer Förderströme sind vorbei. Besonders spürbar sind die drastischen Kürzungen des wichtigsten Geldgebers USAID seit der Ära Trump. Jeder dritte US‑Dollar fehlt – insbesondere im medizinischen und Bildungsbereich, aber auch in zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen, die gestoppt werden mussten. Die humanitäre Lage verschärft sich weiter: Reintegrationsprogramme für frühere IS-Kämpfer und deren Familien wurden eingestellt. In den großen, isolierten Lagern wachsen Kinder und Jugendliche auf, die oft nie eine andere Schule als die religiös extremistisch geprägte Koranschule ihrer Eltern besucht haben. Der Besuch eines IS‑Frauenlagers mit rund 13.000 Bewohnerinnen war in dieser Hinsicht ernüchternd und wenig hoffnungsvoll.

1.2 Konsolidierung bei CAP

Wie viele NGOs ist auch CAP gezwungen, seine Arbeit stark zu konsolidieren. Mehrere Organisationen haben sich bereits ganz aus dem Irak zurückgezogen. Auch CAP muss seit 2024 umfassende Sparmaßnahmen umsetzen. Die deutschen Partner können die bisherigen Niveaus nicht halten. Der künftige Schwerpunkt liegt ausschließlich im Community Development. Das sehr erfolgreiche Programm der mobilen Kliniken endet im Juni 2025 – eine Katastrophe für viele ältere Menschen in abgelegenen christlichen Bergdörfern. Gemeinsam mit den internationalen Partnern wird künftig auf ein Multipurpose‑Project in einer einzigen Zielregion gesetzt. Durch ein transparentes Survey wurde die Slevani-Region nahe Zakho bestimmt. Dort sind alle Partner – auch die EKM – bereits finanziell engagiert.

1.3 Personal und Organisation

CAP ist künftig weder im gesamten Nordirak noch in angrenzenden irakisch kontrollierten Gebieten präsent. Alle Mitarbeitenden – vom Direktor bis zur Küchenhilfe – müssen eine Reduzierung ihrer Beschäftigungsanteile um 20 % hinnehmen. Trotz der Einsparungen sollen erfahrene und gut ausgebildete Kräfte möglichst gehalten werden. Viele gehören lokalen christlichen Kirchen an; ihre Abwanderung wäre ein schwerer Verlust.

1.4 Beitrag der EKM und Herausforderungen im Finanztransfer

Die EKM wird trotz ihrer im Vergleich kleinen Mittel als verlässlicher Partner geschätzt. Die jährlich zur Verfügung stehenden Mittel konnten auch 2025 bereitgestellt werden. Im Sommer 2025 scheiterte – wie schon 2024 – der Banktransfer aufgrund der Verweigerung der Transferbank. Die Gelder wurden ohne Begründung zurücküberwiesen. Um erneute hohe Kosten zu vermeiden, erfolgte im September 2025 eine Barmittelübergabe in Berlin an den Direktor von CAP.

 

2. CPS – Compassion Protestant Society

CPS arbeitet im Kontext der National Evangelical Synod of Syria & Lebanon (NESSL) mit Sitz in Beirut. Das Einsatzgebiet umfasst den gesamten Libanon und alle Landesteile Syriens – zwei Länder, die 2025 durch politische Instabilität und schwere wirtschaftliche Krisen geprägt waren.

2.1. Syrien nach dem Sturz des Assad-Regimes

Mit dem Sturz des Assad-Regimes am 8. Dezember 2024 begann ein umfassender Systemwechsel. Die anfängliche Freude wich 2025 rasch einer Phase massiver Unsicherheit:

im März 2025 Massaker an Aleviten zwischen Tartus und Latakia,

im Sommer Kämpfe zwischen Regierungsmilizen und Drusen im Süden,

aktuell militärische Auseinandersetzungen zwischen Regierungsmilizen und Kurden im Norden.

Christliche Minderheiten befürchten nun, als Nächste Ziel extremistischer Gruppen zu werden. Im Frühjahr 2025 verübte ein Selbstmordattentäter einen Anschlag auf die Mar‑Elias‑Kirche in Damaskus – 25 Menschen starben, mehr als 60 wurden teils schwer verletzt. Es ist weiterhin offen, ob sich Syrien demokratisch erneuert oder ob sich islamistisch geprägte Kräfte im Machtvakuum durchsetzen.

2.2. Libanon: Anhaltende Angriffe und wirtschaftlicher Kollaps

Trotz Waffenstillstand Ende 2025 kommt es weiterhin täglich zu israelischen Angriffen auf Hezbollah-Stellungen. Der Klang von Drohnen gehört zum Alltag. Die wirtschaftliche Krise ist tiefgreifend: Energienot, Bargeldmangel, steigende Preise in allen Bereichen. Der Bankencrash hat die Ersparnisse großer Teile der Bevölkerung vernichtet – besonders Rentner und die Mittelschicht sind betroffen.

2.3. Unterstützung durch die EKM

Die EKM stellte 2025 – wie in den Vorjahren Projektgelder für den Libanon und in Syrien bereit.

  • Libanon: bauliche Qualifizierung eines sozialpädagogischen Zentrums der Evangelischen Gemeinde Tripoli (Leitung: Rola Sleiman, erste ordinierte Pfarrerin im Nahen Osten).
  • Syrien: Unterstützung des Frauenförderzentrums der NESSL in Aleppo, u.a. für berufliche Qualifikation und Traumabewältigung.

CPS hat zugesichert, ungenutzte Mittel aus 2024 vollständig diesen Projekten zuzuführen.

 

3. Visitationsreise in den Libanon und nach Syrien (21.9.–3.10.2025)

Während der Reise konnten zahlreiche Projektpartner besucht und viele Kleinprojekte durch Spenden unterstützt werden. Auch die letzte Rate des Avo‑Soap‑Projekts wurde nach Abschluss übergeben – eine Fortsetzung wird derzeit nicht verfolgt; es wird ein Verein oder Kleinunternehmer für eine mögliche Übernahme gesucht. Besondere Eindrücke dieser Reise waren:

  • In Latakia berichteten Aleviten von den Massakern im Frühjahr.
  • In Damaskus besuchte ich drei christliche Familien, die schwer vom Mar‑Elias‑Attentat betroffen sind. Die seelsorgerliche Begleitung durch Father Daniel Naeme (rum-orth. Kirche) war für sie zentral. Sein plötzlicher Tod im Januar 2026 ist ein schmerzlicher Verlust für die gesamte ökumenische Arbeit in Syrien.
  • In den Naqura-Dörfern an der libanesisch-israelischen Grenze waren massive Zerstörungen sichtbar; die Nahosthilfe unterstützte dort eine kommunale Krankenstation.

 

4. Weitere Projekte und Partner 2025

  • Unterstützung des Studierendenhilfsprogramm der rum-orthodoxen Kirche in Deutschland (Libanon/Syrien).
  • Intensive Unterstützung der medizinischen Sozialarbeit des maronitischen Priesters Jihad Nassif (Tartus–Latakia).
  • Fester Partner bleibt die Poliklinik der evangelischen Gemeinde Minyara (Nordlibanon); hierfür besteht ein eigener Spenderkreis aus dem sächsischen Erzgebirge.
  • Überweisung einer landeskirchlichen Kollekte an den christlichen TV‑Sender SAT‑7 zur Unterstützung des Madrasi‑Telekollegprogramms.

 

5. Netzwerk- und Gremienarbeit in Deutschland

  • Regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen des LKÖZ.
  • Vertretung der EKM in der Evangelischen Mittelost-Kommission (EMOK) der EKD.
  • Die EKD‑Syrienrunde wurde 2025 eingestellt; ihre Aufgaben gehen in der EMOK weiter.
  • Vorträge und Präsentationen u.a. in Rudolstadt und im KK Altenburg.
  • Teilnahme an der Gründungsveranstaltung des New Syria Movement in Loccum (Mai 2025).
  • Kooperation mit der Ökumenischen Akademie Gera/Altenburg in öffentlichen Veranstaltungen.

 

6. Finanzverwaltung der Nahostarbeit der EKM

Die Spenden werden weiterhin verlässlich durch den 2 %-Appell generiert, besonders in den Kirchenkreisen Gera, Weimar und Merseburg‑Querfurt. Weitere Spendergruppen und Landeskirchen tragen regelmäßig bei.

Die 2024 erfolgte Umstellung auf ein landeskirchliches Spendenkonto hat sich bewährt, wenngleich Herausforderungen bestehen:

  • Organisation von Barmitteltransfers,
  • steuerrechtliche Grenzen (Beendigung des Seifenprojekts),
  • hoher bürokratischer Aufwand bei Spendenbescheinigungen.

Trotz der vergleichsweise kleinen Mittel leistet die Nahosthilfe der EKM einen wichtigen Beitrag. 2025 konnten insgesamt 92.360,37 EUR eingesetzt werden – ein „Tropfen“, aber ein wirksamer.

 

7. Spendendank

Allen Spenderinnen und Spendern, Gemeinden, Kirchenkreisen und Partnern gilt mein aufrichtiger Dank. Ohne Ihre treue Unterstützung, Ihre Gebete und Ihre Bereitschaft, Menschen in Not beizustehen, wäre diese Arbeit nicht möglich. Jede Gabe – ob groß oder klein – ist ein Zeichen gelebter Nächstenliebe und wirkt weit über unsere Region hinaus. Möge dieser Bericht sichtbar machen, dass Ihre Spende ankommt, wirkt und Hoffnung schenkt.


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Zerstörter PKW nach israelischem Luftangriff im Libanon  C. Kurzke Häuser in der Altstadt von Mossul /Irak sind als safe markiert  C. Kurzke


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